Ausstellungsrezension

Manchmal begegnen wir Menschen, die uns mit ihrer Sicht auf die Welt überraschen und inspirieren. Genau so war es, als ich Luzie Smejkal auf meiner Ausstellung im Sommer 2024 traf. Im Gespräch erzählte sie mir von ihrem Studium der Kunsttherapie an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen, wo sie aktuell im 3. Semester ihre kreative Reise fortsetzt.

Als Teil ihrer Prüfungsleistung erhielt sie im Wintersemester 2024/2025 die Aufgabe, eine Ausstellungsrezension zu schreiben – eine Gelegenheit, Kunst aus therapeutischer Perspektive zu betrachten und Worte zu finden, die berühren und bewegen. Ich freue mich, ihre Gedanken und Eindrücke hier teilen zu dürfen und lade Sie herzlich ein, die Ausstellung durch ihre Augen neu zu entdecken.

Viel Freude beim Lesen und Eintauchen in eine inspirierende Sichtweise!

 

Ein Blick durch andere Augen
Eine Ausstellungsrezension von Luzie Smejkal

Zurück im Freien beginnt die Darstellung von Hoffnung, Vertrauen und Kraft. Entlang des gepflasterten Wegs stehen Malereien und Skulpturen, die nach oben weisen. Sie verdeutlichen die Herausforderungen und die Kraft, die notwendig waren, um diese Reise zu bestehen.

Besonders eindrucksvoll war das Werk „Durchhalten“. Die schwarze Figur, am Wegesrand platziert, wirkt durch die Haltung angestrengt und körperlich kraftlos während die rote große Kugel sie zu überrollen droht. Eine weitere Figur oberhalb scheint voller Hoffnung, mit offenen Armen wartend. Die Skulptur vermittelt den Kampf und die Hoffnung, „denn oben ist das Leben“ (Wottawah, 2024), wie die Künstlerin schreibt.

Werk „Durchhalten“, 40 x 74 cm, Steine
Acrylbinden um Figur, Styroporball

Werk „Vollkommen unvollkommen“,
55 x 75 cm, Mixed Media auf Aquarellpapier

Ein weiteres Highlight war das Selbstporträt „Vollkommen unvollkommen“.
Dieses entstand durch eine kunsttherapeutische Intervention des „blinden Porträtierens“. Wottawah malte es zunächst mit geschlossenen Augen und fügte im Anschluss Farben hinzu.
Der direkte Blick der Figur wirkt ehrlich und präsent – unperfekt, aber zufrieden. Mit ihren Worten führt die „Intuition dahin wo es richtig ist: zum ICH selbst.“ (ebd.) was wie ich finde in diesem Werk sichtbar wird.

Auf der höchsten Ebene des Gartens befinden sich strahlende, farbenfrohe Bilder, die Zuversicht und Leichtigkeit vermitteln. Zwischen zwei Tannen hängt das letzte Werk „Geheilt“, das Zuversicht ausstrahlt.

Werk „Geheilt“, 75 x 115 cm, Acryl auf
Leinwand

Die durchdachte Platzierung der Werke schuf eine Atmosphäre von Nähe und Authentizität. Die Darstellung im eigenen Garten verstärkte die persönliche Note und ermöglichte eine intime Verbindung zur Gefühlswelt der Künstlerin. Auch die Anordnung der Werke auf Staffeleien verstärkte das Gefühl, Teil ihrer Reise zu sein, und vermittelte eine Atmosphäre des ‚im-Prozess-Seins‘. Der enge Raum symbolisierte die belastenden Phasen der Krankheit, während der freie, lichtdurchflutete Garten Hoffnung und Genesung widerspiegelte.